Linz/Essen/Bern (APA) - Bei Männern mit einem Prostatakarzinom, das mit einem niedrigen Risiko für schnelles Wachstum und Ausbreitung einhergeht, empfiehlt sich eher eine aktive Überwachung. Chirurgische Entfernung der Prostata oder Strahlentherapie sind hingegen oft mit Potenz- und/oder Harninkontinenz verbunden, haben Wissenschafter anhand von Daten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz herausgefunden.
Die Wissenschaftergruppe unter Mulham Al-Nader von der Urologischen Universitätsklinik in Essen, unter den Co-Autoren auch Ferdinand Luger vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, haben die von 6.265 Patienten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz erhobenen Daten aus den Jahren 2016 bis 2023 (Prostate Cancer Outcomes Study) ausgewertet. Die wissenschaftliche Untersuchung ist im "British Journal of Urology International" (DOI: 10.1111/bju.70167) erschienen.
Im Rahmen der Studie zeichneten die Patienten vor Beginn der Behandlung bzw. vor dem Start der Beobachtung und nach jeweils einem Jahr ihre Erfahrungen, Symptome und Beschwerden auf. Das erfolgte auf Fragebögen mit null bis hundert Punkten. "Von den Patienten erhielten 475 eine aktive Überwachung (Behandlung nur nach Anzeichen auf Fortschreiten der Tumorerkrankung; Anm.), 4.352 eine nervschonende radikale Prostatektomie (möglichst schonende Entfernung der Prostata; Anm.), 813 eine nicht nervschonende radikale Prostatektomie und 625 eine Radiotherapie", schrieb das "Deutsche Ärzteblatt" mit Hinblick auf die Studie.
Gleich bleibende Lebensqualität unter Überwachung
Die Hauptergebnisse: Nach einem Jahr war die Situation der Männer mit Prostatakrebs unter aktiver Überwachung de facto gleich geblieben. Hingegen hatte sich unter nervschonender Entfernung der Drüse die Harninkontinenz um 18 Punkte verschlechtert, die Sexualfunktion um 35 Punkte. Bei nicht nervschonendem Eingriff lag die Verschlechterung bei minus 26 bzw. minus 30 Punkten. Nach Strahlenbehandlung blieb die Harninkontinenz unverändert, die Sexualfunktion verschlechterte sich um zwölf Punkte.
"Der stärkste Verlust der Sexualfunktion wurde bei jüngeren Patienten beobachtet, die stärkste Beeinträchtigung der Kontinenz in der Altersgruppe von 70 bis 79 Jahren. Unter aktiver Überwachung blieben die funktionellen Ergebnisse in allen Altersgruppen stabil", schrieb die deutsche Ärztezeitung. Die Studienautoren: "Die aktive Überwachung wird in der beobachteten Patientengruppe zu selten genutzt." Bei dafür geeigneten Patienten sollte möglichst schonend vorgegangen werden.
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